FC Sachsen-Vorstand Lars Ziegenhorn im Interview mit SachsenSonntag
Oberligist FC Sachsen Leipzig startet - so es keine Absage gibt - am kommenden Freitag (18 Uhr) bei Budissa Bautzen in die Rückrunde. Im Interview mit SachsenSonntag sprach Vorstand Lars Ziegenhorn über sportliche Leistungen, vertrauen, Transparenz und die BSG Chemie Leipzig.
Wie lautet die sportliche Bilanz beim FC Sachsen?
Natürlich sind wir mit unserer Hinrunde zufriueden. Wenn vor der Saison einer gesagt hätte, ihr steht zur Winterpause mit einem Torverhältnis von 19:16 auf Platz 8, dann hätte hier jeder sofort untzerschrieben.
Die Gründe dafür sind, dass...
...wir aus der Not eine Tugend gemacht haben. Mario Scholze, Kevin Kittler und der leider verletzte Daniel Lippmann bilden das Korsett der Mannschaft. Drumherum reihen sich die jungen Spieler. dass dies natürlich so gut klappt, hätten wir im Leben nicht gedacht. Jetzt hoffen wir, dass unsere Mannschaft auch in der Rückrunhde so gut spielt. Das Projekt mit den jungen Spielern soll auch über diese Saison hinaus ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes bleiben.
Fans und Sponsoren sollen wieder mehr Anteil am FC Sachsen nehmen können. Klingt gut, aber wie will man das umsetzen?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Vor der Mitgliederversammlúng im Januar hatten wir uns entschlossen, den Etat (850 000 Euro, Red.) offen darzulegen. Das gab es hier vorher auch nicht. dabei ist das enorm wichtig. Denn eines unserer größten Ziele ist das Wiedererlangen der Glaubwürdigkeit bei Fans und potentiellen Sponsoren. Und dies geht natürlich nur über Transparenz. Im übrigen: Bis der FCS vom Etat her eine Liga höher angreifen kann, braucht es noch viel Zeit.
Kann man mit Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Schlagworten wie "grün-weiße Seele" Sponsoren hinterm Ofen hervor locken?
In den letzten 10, 15 Jahren ist vieles kaputtgegangen. Um überhaupt erstmal wieder Vertrauen zu gewinnen, haben wir (Ziegenhorn, Weiß, Seemann, Fuge) in den vergangenen Wochen viele VBeranstaltungen und Treffen mit Unternehmen initiiert. Wir haben uns einfach mal vorgestellt und gezeigt "Hier sind wir - ein kleiner Fußballverein mit Herz, Emotionen und einer Geschichte." Nichts großes, aber jeweils der erste von vielen kleinen Schritten. Das hat natürlich noch lange nichts mit irgendwelchen Geldleistungen zu tun, aber manch einer hat an so einem Abend seit langem mal wieder Fußball-Luft geschnuppert.
Wie ist es ansonsten um den FC Sachsen bestellt?
In den letzten Jahren wurde im Schatten des Spielbetriebs in der WM-Arena die wichtigsten Dinge vernachlässigt oder sogar ganz vergessen. Zum Beispiel die Wartung sämtlicher Einrichtungen wie etwa unsere Haizungsanlage. In so einem - ja am Ende doch eher kleinen Verein - muss man sich auch um den Stammsitz in Leutzsch kümmern. Weitere Stichpunkte sind der veraltete Kunstrasenplatz, ein seit gefühltenm Jahrzenten als Umkleidekabine dienender Container. Und natürlich fehlende Hirarchien im Verein - also wer kümmert sich hier eigentlich um was.
Der Alfred-Kunze-Sportpark erstrahlt in neuem Glanz. Warum ist die Spielstätte so wichtig?
Was unsere Fans im Sopmmer geleistet haben, ist einmalig. Sie haben das Stadion aufgemöbelt. Insgesamt haben wir 5000 Euro bezahlt, aber eine unglaubliche Arbeitsleistung von 100 000 Euro vollbracht. Natürlich gibt es sicherheitsrelevante Spiele, die im Zentralstadion stattfinden müssen, aber unsere Heimat ist und bleibt der Alfred-Kunze-Sportpark. Hier kann man auch mal eine besser besetzte Mannschaft schlagen. denn der AKS ist schon mit ein paar tausend Zuschauern ein richtiger Hexenkessel.
Sportbürgermeister Heiko Rosenthal besuchte die Kultstätte in dieser Woche!
Ja! Darüber sind wir sehr froh. Das Treffen war für uns enorm wichtig. Wir haben nicht um geld gebettelt, sondern unseren Verein mit seinen Zielen vorgestellt. Auch hier geht es vor allem darum, langsam Vertrauen aufzubauen und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Ein wichtiger Hinweis unsererseits ist die große soziale Verantwortung, die unser Verein hat. Es gint in diesem bereich einige interessante Ideen, die wir bald in die Tat umsetzen wollen.
Ein Verschmelzen des FCS und der BSG Chemie liegt noch in weiter Ferne?
Das Insolvenzverfahren dürfte noch ein Jahr dauern. Bis dahin ist es definitiv nicht möglich. Wenn wir Grün-Weiß tatsächlich vereinen wollen, dann geht es sowieso am allerwenigsten um einen formellen Akt, sondern um etwas, was in den Köpfen stattfindet. So gibt es zwischen den Fangruppen zum Teil noch sehr große unterschiedliche Auffassungen. Mir persönlich ist vor allem wichtig, dass es bei Grün-Weiß um Fußball geht, nicht um Politik. Und das es den FC Sachsen nicht ohne die Tradition der BSG Chemie gäbe, das weiß ohnehin jeder. Beide Seiten müssen 2010 nutzen, um ihre Hausaufgaben zu machen.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Ziegenhorn.
Vortragsreihe in der Sachsenstube
Der FC Sachsen macht jetzt "auf Kultur":
In etwa zweimonatlichem Abstand lädt der Verein interessierte Fans, Mitglieder und Sympathisanten unter dem Titel "Talk im AKS" zu Vorlesungen, Talks oder anderen Aufführungen ein. "Das haben wir schon sehr lange im Fokus, nun können wir es endlich umsetzen", freut sich Vorstand Jens Fuge, der die Reihe initiierte und damit den Wünschen und Ideen vieler Mitglieder und Fans nachkommt. Die Reihe startet am 17. Februar um 19 Uhr in der Sachsenstube im Alfred-Kunze-Sportpark mit Vereinsmitglied Clemens Meyer. Leipzigs Literatur-Shooting-Star (u.a. Literaturpreis des MDR, Clemens-Brentano-Preis und Preis der Leipziger Buchmesse) liest aus seinen preisgekrönten Büchern "Als wir träumten" und "Die Nacht. Die Lichter". Der Eintritt kostet zwei Euro.
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